Die Beziehungsfähigkeiten-Wirkungsspektren stellen für mich inzwischen eine neue Perspektive auf Alltagssituationen dar. Sie erweitern meinen Blick sowohl im privaten Bereich als auch in meiner beruflichen Tätigkeit als Lehrerin und Supervisorin. Ich nehme mich heute als perspektivenreicher, differenzierter und feinfühliger im Umgang mit Emotionen, Beziehungsmustern und zwischenmenschlichen Prozessen wahr. … Besonders bedeutsam ist für mich das Menschenbild der Systemenergetik (geworden): Menschen nicht als berechenbare oder linear steuerbare Wesen zu betrachten, sondern als nicht-triviale, selbstorganisierende und kontextabhängige Systeme. Gerade als Lehrerin gestalte ich Unterricht über gute Planung, klare Regeln und passende Methoden möglichst kontrollierbar, um mit der Stoffvermittlung zügig voranzukommen. Die systemenergetische Perspektive erinnert mich daran, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur mit ihrem Denken in die Schule kommen. Sie bringen ihren Körper, ihre Gefühle, ihre Erfahrungen und ihre sozialen Beziehungen mit – all das prägt ihr Lernen und ihr Verhalten. (Die systemenergetische Perspektive erinnert mich jedoch daran, dass die Schülerinnen und Schüler keine Maschinen sind.) Sie reagieren oft unterschiedlich, manchmal überraschend, manchmal widersprüchlich. Ihr Verhalten lässt sich nicht immer eindeutig ableiten. Diese Sichtweise wirkt für mich zugleich entlastend und herausfordernd: entlastend, weil nicht jedes Nicht-Gelingen Ausdruck meines Versagens sein muss; herausfordernd, weil sie von mir verlangt, Unsicherheit, Komplexität und Nicht-Vorhersehbarkeit stärker auszuhalten.
An einem Kurstag im November konnten wir Herrn Strauß, „Vater“ der Systemenergetik persönlich kennen lernen. Es war ein wunderbares Geschenk, diesen Vormittag miteinander zu verbringen. Diese Zugewandtheit und Expertise haben mich beeindruckt. Was ist Resonanz? Resonanz ist nach innen schauen, sich verbinden, fremdes und eigenes Erleben spüren, erkennen und verstehen. Ein individuelles Erkennen generiert über die eigene Selbstwahrnehmung und das „Zulassen“ von Unterschiedlichkeiten. So hatte ich das verstanden – kein Feedback, welches sich an einer Messlatte orientiert. Vielen Dank für die Möglichkeit dieser berührenden, persönlichen Begegnung.