Die Ausbildung zur Mediatorin war für mich ein intensiver Lernprozess, der weit über das Erlernen einzelner Methoden hinausgeht. Besonders wertvoll ist für mich die Entwicklung einer Haltung, die ich sowohl beruflich als auch persönlich weitertragen möchte.“ … “Diese Haltung ist geprägt von Wertschätzung, Interesse, Offenheit und dem Vertrauen darauf, dass jeder Mensch über Fähigkeiten verfügt, die sich entwickeln und entfalten können.“ Ein wesentlicher Bestandteil meines Lernprozesses war das Verständnis der Grundlagen der Neuromediation und der systemenergetischen Betrachtung von Konflikten. Besonders wertvoll war für mich die Verbindung von Erkenntnissen aus der modernen Hirnforschung, der Systemtheorie und der Komplexitätstheorie. Dadurch hat sich mein Blick auf Konflikte und auf Menschen in Konfliktsituationen deutlich erweitert.
Besonders prägend waren für mich die Exkurse in die Neurowissenschaften. Ihr Wert lag für mich nicht allein darin, die Funktionsweise des Gehirns besser zu verstehen, sondern vor allem darin, menschliches Verhalten aus einer neuen Perspektive betrachten zu lernen. Rückblickend wird mir bewusst, dass ich aus der Ausbildung im Mediativen Handeln (SE) vor allem eine vertiefte Haltung mitnehme. Sie hat mein Vertrauen in den Prozess der Konfliktklärung, in die Fähigkeiten der Konfliktparteien und in meine eigene Rolle als Mediatorin nachhaltig gestärkt. Für mein zukünftiges mediatives Handeln nehme ich vor allem Vertrauen mit: Vertrauen in die Ressourcen der Konfliktparteien, Vertrauen in den Prozess der Konfliktklärung und Vertrauen darin, dass eine neugierige, authentische und reflektierte Haltung meinerseits bedeutsamer ist als vorschnelle Antworten.
Befreiend ist, wenn es mir gelingt, mich zu fragen, was meine Reaktion wie z. B. ein mulmiges Gefühl, innerliches Abschalten oder Ungeduld mit meinem Gegenüber oder der Situation zu tun hat, ob es statt eines „Triggers“ auch eine Resonanz und somit Wegweiser für mich und andere sein könnte – wie die Überschrift des Artikels von Angelika und Dr. Heinz Strauß im Buch von B. Gans, S. Hornung und A. Köstler so plakativ formuliert: „Eigene Schwächen für die MediandInnen nutzbar machen“ Dies zeigt mir, dass ich richtig und wichtig bin, so wie ich bin – auch wenn das ungewohnt, unangenehm, unerwartet und vermeintlich nicht konform oder vorzeigbar ist. Die Systemenergetik als „Prozess des Ja-Sagens zu sich selbst“ (Dr. Heinz Strauß) lenkt meinen Blick zu mir, lässt mich mein Erleben der Situation bzw. des Gesagten erkennen und Verständnis für mich selbst und dadurch auch für andere entstehen.